Eine inspirierende Geschichte: Virginie Goethals

Am 25. April startete Virginie Goethals aus Belgien beim Mount Fuji Ultratrail 2014. 35:35:17 Stunden und 169 Kilometer später erreichte sie das Ziel und sammelte 3.685 Euro an Spenden. Das ist ihre Geschichte.

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Liebe Freunde

Ich versuche, die richtigen Worte zu finden, um meine ersten 100 Meilen bzw. 169 km und 9478 m Höhengewinn des Ultratrail Mount Fuji zu beschreiben, und natürlich kommen eine Menge Erinnerungen hoch und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Als ich vom Unterstützerteam in Tokio abgeholt wurde und die anderen Läufer traf, wusste ich sofort, dass die Gruppe die richtige Energie für das Rennen hatte und mir das helfen würde, es durchzuziehen.

Nachdem wir uns gemütlich in der Hütte niedergelassen und versucht haben, zu schlafen und so viel wie möglich vor dem Rennen zu essen, war das Startsignal am Freitag um 15 Uhr heiß willkommen! Ich war nicht zu nervös beim Start, und meine erste Sorge war, soweit ich konnte nach vorn zu kommen, damit ich bei den bevorstehenden engen Teilstücken nicht steckenbleiben würde. Während der ersten beiden Teilstücke, die sich mit nur 1800 m (?) als die „einfacheren" herausstellen würden, rannte ich dicht hinter einer schnellen Japanerin, die angezogen war wie ... Micky Mouse. Ich habe sie immer wieder überholt und sie holte mich der Reihe nach wieder ein, was mich bald ziemlich nervös machte, und ich fühlte mich gefangen in einem schlechten Zeichentrickfilm, auf andere auftauchende Disney Charaktere wartend. Ich versuchte, sie auszublenden und die untergehende Sonne half mir dabei.

Die japanische Küche erwies sich nicht als bester Freund an den ersten beiden Kontrollpunkten. Die Dorfbewohner waren erpicht darauf, ihre lokalen Gerichte zu zeigen (was ich außerhalb des Rennens genossen hätte), aber die Belastung des Rennens hatte die üblichen Auswirkungen auf meinen Magen. Als eine schöne, alte Dame mir eine Schale Nudeln mit Fisch anbot, nahm ich sie an, weil ich sie nicht beleidigen wollte. Es blieb nicht lange in meinem Magen ... es war mir sehr peinlich, als ich mich vor ihren Augen übergeben musste. Mein aufmerksames Unterstützerteam hat mich später während des restlichen Rennens mit Sandwiches gerettet, und meine üblichen Snickers und Chips haben auch den Zweck erfüllt...

Der Lauf durch die Nacht mit diesem wunderschönen Mond am Himmel war bestimmt ein großer Höhepunkt dieses Rennens. Glücklicherweise konnte ich die meiste Zeit alleine laufen und habe die Stille und den Frieden des schönen Waldes wirklich genossen. Es war einer dieser Momente, in denen es einfach war, immer weiterzumachen und das Laufen war einfach etwas, was meine Beine von ganz alleine taten. Nach Tagesanbruch traf mich die Müdigkeit ganz heftig, und eine langweilige, steinige Straße durch die Wälder, gefolgt von einer Berg-und-Tal-Strecke unter Stromleitungen haben mir fast den Verstand geraubt. Ich habe ein kleines Spiel, mit dem ich meine Müdigkeit überprüfe - ich antworte mir selbst auf grundlegende Fragen, wie „wo wohne ich", „wie lautet meine neue Telefonnummer", etc. Schon bei den ersten Fragen waren alle Antworten falsch, was die Alarmglocken schrillen ließ. Ich gönnte mir eine wohlverdiente Pause von 25 Minuten am Kontrollpunkt 7, wechselte die Kleidung, aß etwas von meinem Lieblingsmüsli und trank Unmengen an grünem Tee. Ich holte meinen iPod heraus und brachte meine Beine wieder zum Laufen.

Ich wusste, dass der schöne aber gefürchtetste Abschnitt 8 vor mir lag, auch „Folterkammer" genannt. Dort fordert die Strecke seine Opfer, mit einer Abbruchrate von 55 % in diesem Jahr. Kurz gesagt, Tenshi-Sanchi ist eine Aneinanderreihung von ca. neun Berggipfeln, der Höchste mit 1605 Meter. Die Hänge sind so steil, dass es eine enorme Anstrengung erfordert, einen Fuß vor den anderen zu setzen, und es lässt deine Waden brennen, und in einigen Bereichen musst du dich an Seilen hochziehen. Der Wald ist so dicht und der Hang so steil, dass du gar kein Ende dieser Strecke sehen kannst. Wenn du denkst, du hättest es geschafft, taucht magischerweise ein neuer Gipfel auf. Ein Mitläufer war hinter mir, aber fühlte sich hundeelend. Ich gab ihm alle Magentabletten, die ich hatte, und beim Abstieg sauste er mit einem breiten Lächeln an mir vorbei.

Der nächste Gipfel, der Ryugatake, war 1495 Meter hoch und mit einem wunderschönen Laubwald bewachsen. Der Fuji war die ganze Zeit in Sicht und meine Aufmerksamkeit war auf Schnee- und Eisflächen, schönes Moos und Blumen gelenkt, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich rannte eine Weile an der Spitze einer Gruppe aus fünf Japanern, aber musste bald langsamer machen. Mein linkes Knie begann heftig zu schmerzen und ein eisiger Wind erinnerte mich daran, dass die Sonne bald wieder untergehen würde. Ich zog mitten in dieser Wildnis wärmere Kleidung an, setzte meine Stirnlampe auf, aß etwas Schokolade und raffte mich zum Kontrollpunkt 10 auf.

Nach Kontrollpunkt 10 und beinahe 139 km des Rennens wurde alles richtig verschwommen. Ich traf eine sehr nette Französin, und wir hatten eine aufmunternde Unterhaltung. Wir blieben zusammen, und es war beruhigend zu wissen, dass ich in diesem Stadium geistiger Erschöpfung jemanden hatte, mit dem ich mich in meiner Muttersprache unterhalten konnte. Das mag lächerlich klingen, aber die meisten Rennläufer waren Japaner, und ihr Englisch ist im Schnitt sehr dürftig, abgesehen von „tolles Rrrrrennen", und ich merkte, dass ich 35 Stunden lang mit fast niemandem gesprochen hatte, abgesehen von meinem Unterstützerteam und dem lauten Absingen von Liedern. An diesem Punkt war es nur noch eine Frage von einen Fuß vor den anderen setzen. Ich dachte an all die Menschen, die mir bei der Vorbereitung auf dieses Rennen geholfen hatten, das Unterstützerteam, meine Familie, die so viel Geduld für mein Training aufbrachte, und natürlich der wunderbare wohltätige Zweck, für den ich lief. Ich war wie ein Roboter und erkannte bald, dass Ende nicht mehr weit war. Eine Dame sagte mir, dass noch 10 km zu laufen waren. Was? Das musste ein Irrtum sein .... Andere Läufer fingen an, in großer Zahl zu mir aufzuschließen. Ich dachte, ich wäre auf einer falschen Stecke gelandet oder irgendetwas würde nicht stimmen mit mir, es war doch nicht möglich, dass so viele Leute mich überholten. Da es dunkel war, erkannte ich nicht, dass das die schnellen Läufer vom STY (das kurze Mount Fuji-Rennen) waren. Schließlich kam jemand aus der Dunkelheit und begann mit mir mitzulaufen und mit mir zu reden ... es war mein Mann!!! In den vier Jahren meines Laufens war er nie zu einem Rennen gekommen, und jetzt war er da und rannte die letzten 600 Meter mit mir. Ich war beschwingt und erreichte die Ziellinie nach 35,5 Stunden um 3 Uhr morgens und als 19. Frau insgesamt! Ich bin in der Hütte buchstäblich zusammengebrochen und am Esstisch eingeschlafen...

Danke an alle für die Unterstützung per E-Mail und auf Facebook und die großzügigen Spenden an die Wohltätigkeitsorganisation Morning Tears. Meine Fuji-Reise ist nur ein Spaziergang im Vergleich zu dem, was die Morning Tears-Kinder aushalten müssen. Bitte unterstützt sie auch weiterhin!

www.betterplace.org/en/fundraising-events/fujiwilltremble

Und zu guter Letzt, danke an mein wundervolles Team, insbesondere Teru, Shane, Amy, Jonathan, Steve, Karen, Anthony, Agnes, Hiromi, Phil, Denvy, Jihee, Dianna, Mayumi, Rebecca, John, Yohei und all die anderen wunderbaren Menschen. Ich hoffe, wir können das alles nächstes Jahr wieder machen!!